Wer weiss genau, was eine Bradykardie ist?
Du hast in deinem ersten Freedive-Kurs bestimmt viele neue Begriffe gehört, sie aber nicht einordnen können und viele wieder vergessen. Freediving hat seine eigene Sprache. Für viele, die neu dabei sind, aber auch für den einen oder anderen Apnoeisten, wirken viele Begriffe zunächst nichtssagend, und doch ist manches gut zu wissen.
Hier kannst du die wichtigsten Freedive Begriffe nachschauen, kurz und bündig.
Grundlagen des Freedivings
- Apnoe – Das bewusste Anhalten der Atmung, unabhängig davon, ob du im Wasser bist oder nicht, wird oft als Synonym für Freitauchen verwendet, beschreibt aber eigentlich nur den Zustand des Luftanhaltens.
- Freediving / Freitauchen – Das Tauchen unter Wasser mit angehaltenem Atem ohne Atemgerät und beschreibt die eigentliche Aktivität, bei der Apnoe angewendet wird.
- Atemreiz – Der Impuls zu atmen, der hauptsächlich durch einen steigenden CO₂-Gehalt im Körper ausgelöst wird und nicht direkt durch Sauerstoffmangel.
- CO₂-Toleranz – Die Fähigkeit deines Körpers, steigendes Kohlendioxid auszuhalten, was bei der Apnoe unweigerlich passiert (durch Training kannst du deine Toleranz erhöhen). CO₂ löst den Atemreiz aus, deshalb will der Freitaucher eine hohe CO₂-Toleranz.
- Sauerstoff (O₂) – Das Gas, das dein Körper für Energie und die Funktion jeder Zelle benötigt. Die Luft besteht zu 21 % aus Sauerstoff, und im Ruhezustand benötigen wir davon 4–5 % pro Atemzug. Den ersten Atemreiz spüren wir (je nach CO₂-Toleranz) bei etwa 7 % verbrauchtem O₂.
- Entspannung (Relaxation) – Ein ruhiger körperlicher und mentaler Zustand, der Sauerstoff spart.
- Atemtechnik – Die Art und Weise, wie du bewusst ein- und ausatmest.
- Final Breath –Eine Atemtechnik direkt vor dem Abtauchen beginnt mit einer vollständigen Ausatmung und endet mit einer vollen Einatmung in die zwei Sektionen.
- Zwei Sektionen – Damit sind die zwei Phasen der Einatmung gemeint: zuerst die Bauchatmung, dann die Brustatmung. Beim finalen Atemzug wird zuerst der Bauch gefüllt, da dort am meisten Luft hineinpasst, anschliessend die Brust.
Physiologie & Körperreaktionen
- Säugetier Reflex – Auch Mammalian Dive Reflex genannt ist ein natürlicher Reflex, der deinen Körper beim Tauchen schützt und Energie spart. Er wird durch (kaltes) Wasser und Apnoe ausgelöst.
- Bradykardie – Die Verlangsamung der Herzfrequenz unter Wasser und Teil des Säugetier Reflexes.
- Vasokonstriktion – Die Verengung der Blutgefässe, um Sauerstoff zu wichtigen Organen zu lenken und Teil des Säugetier Reflexes.
- Blood Shift – Eine Anpassung vom Körper beim Freitauchen in der Tiefe, bei der sich Blut in den Brustraum verschiebt, um die Lunge zu schützen.
- Residualvolumen – Die Luft, die nach maximalem Ausatmen in der Lunge verbleibt oder durch den Wasserdruck in einer bestimmten Tiefe erreicht wird, ab diesem Zustand tritt der Blood Shift ein.
- Kontraktion – Das Zwerchfell zieht sich leicht zusammen, um die Luft in den Lungen zu vermischen. Diese Reaktion ist sehr individuell und kann tagesabhängig stärker, früher oder schwächer auftreten.
- Hypoxie – Ein Zustand, in dem dein Körper zu wenig Sauerstoff hat. Hypoxien treten bei uns typischerweise nach zu vielen Tauchgängen in zu kurzer Folge auf.
- Hyperkapnie – Ein erhöhter CO₂-Gehalt im Blut, der den Atemreiz auslöst.
- Druckausgleich (Equalization) – Das Anpassen des Drucks in Ohren und Nebenhöhlen beim Abtauchen.
- Frenzel-Technik – Eine effiziente Methode für den Druckausgleich mit Zunge und Rachen besteht darin, die Stimmritze zu schliessen und die Luft mit der Zunge in die Hohlräume zu drücken.
- Valsalva-Technik – Eine einfache Druckausgleichsmethode durch Pressen der Luft aus dem Bauch in die Nase.
- Handsfree – Eine weitere Druckausgleichstechnik (schwierig zu erlernen), die ohne Hände an der Nase funktioniert, basiert auf einer Muskelbewegung der Eustachischen Röhren.
- Stimmritze (Glottis) – Die Öffnung zwischen den Stimmbändern im Kehlkopf, die den Luftstrom reguliert und beim Freediving bewusst geschlossen wird, um Druck zu kontrollieren und Luft im Rachen zu halten.
- Gaumensegel (Velum) – Eine bewegliche Struktur im hinteren Gaumen, die den Luftstrom zwischen Nase und Mund steuert und beim Freediving gezielt eingesetzt wird, um den Druckausgleich zu kontrollieren.
- Eustachische Röhren – Verbindungen zwischen Mittelohr und Rachen, die sich beim Druckausgleich öffnen sollten, um den Druck im Ohr an die Umgebung anzupassen.
Freediving Disziplinen
- Static Apnea (STA) – Luftanhalten ohne Bewegung, an der Wasseroberfläche.
- Dynamic Apnea (DYN) – Streckentauchen mit Flossen im Pool.
- Dynamic No Fins (DNF) – Streckentauchen ohne Flossen im Pool.
- Constant Weight (CWT) – Tieftauchen mit Flossen und konstantem Gewicht (Bleigurt).
- Free Immersion (FIM) – Ab- und Auftauchen durch Ziehen am Seil ohne Flossen.
- Variable Weight (VWT) – Abtauchen mit zusätzlichem Gewicht, Auftauchen aus eigener Kraft.
- No Limits (NLT) – Abtauchen mit Gewicht und Auftauchen mit Auftriebshilfe (wird von der AIDA nicht mehr unterstützt).
Ausrüstung
- Maske – Ermöglicht klares Sehen unter Wasser und muss die Nase eingeschlossen haben, ausser man benutzt speziell fürs Freitauchen entwickelte Schwimmbrillen wie z.B. Liquid Googles, Fluid Googles oder .
- Schnorchel – Hilft beim Atmen an der Oberfläche ohne Kopfheben und fürs Buddysystem unerlässlich.
- Monoflosse – Eine große Flosse für beide Füsse für effizientes Tauchen.
- Bi-Fins – Zwei einzelne Flossen, ähnlich wie beim Schnorcheln, jedoch sind die Flossenblätter deutlich länger, um effizienter zu sein.
- Neopren – Schützt vor Kälte und sorgt für Auftrieb. Freedive-Neoprenanzüge haben innen oft Open-Cell, also offenporiges Neopren, die nur mit Seifenwasser angezogen werden können. Ein Freedive-Anzug muss eine enge Passform und gute Beweglichkeit haben.
- Bleigurt – Hilft, den Auftrieb auszugleichen. Erhältlich mit einem elastischen Gurt für die Hüfte und/oder als Halsblei zur besseren Stromlinienform um den Hals.
- Lanyard – Sicherheitsleine, die dich mit dem Seil verbindet und einen Quick-Release haben muss, damit sich die Leine im Notfall einfach lösen lässt.
- Nose Clip – Nasenklemme, oft beim Pooltraining verwendet oder mit eben diesen speziellen Freediving-Masken, die die Nase nicht einschliessen.
Sicherheit im Freediving
- Blow-Tab-Talk – Die Reaktion eines Safety Divers auf ein Blackout des Tauchers: Kopf über die Wasseroberfläche halten, die Nase befreien, dann das Gesicht kräftig anpusten, leicht die Wangen tätscheln und mit dem Taucher sprechen.
- Blackout – Bewusstlosigkeit durch Sauerstoffmangel tritt meist auf dem Rückweg (Shallow-Water-Blackout) oder bereits an der Oberfläche auf. Kann bis 1 Minute nach dem Tauchgang noch eintreffen.
- Shallow-Water-Blackout –Tritt häufig in der Nähe der Wasseroberfläche auf, da beim Auftauchen durch den sinkenden Druck der Sauerstoffpartialdruck im Blut immer schneller in einen kritischen Bereich fällt und das Gehirn somit desto Nähe der Oberfläche nicht mehr ausreichend versorgt wird.
- LMC (Loss of Motor Control) – Auch Samba genannt, ist ein Kontrollverlust über Bewegungen durch Sauerstoffmangel an den Nervenenden.
- Buddysystem – Tauchen mit einer Sicherungsperson. Im Wasser tauchen wir immer im Buddysystem.
- Safety Diver – Die Person, die dich aktiv während des Tauchgangs sichert. Zu deutsch manchmal auch Sicherungstaucher genannt.
- Recovery Breathing – Spezielle Atemtechnik nach dem Auftauchen zur schnellen Erholung, bei der du in drei kontrollierten Atemzügen genauso viel ausatmest (CO₂ los wirst) wie einatmest (O₂ aufnimmst) auch 50/50-Breathing genannt.
- Surface Protocol – Oberflächenprotokolle sind feste Abläufe zur Sicherheit nach dem Auftauchen. Sie beinhalten das Recovery Breathing, den Satz „I am O.K.“ sowie das O.K.-Zeichen mit Zeigefinger und Daumen.
Training & Technik
- BOLT-Test – Ein Test zur Messung deiner CO₂-Toleranz, bei dem du die Sekunden im natürlich ausgeatmeten Zustand zählst, bis der Atemreiz eintrifft, um deinen Wert zu ermitteln (über 25 Sekunden sind erstrebenswert; gute Freitaucher und Sportler erreichen über 40 Sekunden).
- CO₂-Tabelle – Training zur Verbesserung der CO₂-Verträglichkeit.
- O₂-Tabelle – Training zur Verbesserung der Sauerstoffnutzung.
- Warm-up – Vorbereitung von Körper und Geist vor der Session.
- Breath-up – Vorbereitung von Körper und Geist vor dem Tauchgang.
- Duck Dive – Technik, um effizient unter die Wasseroberfläche zu kommen.
- Freefall – Passives Abtauchen ohne Bewegung in der Tiefe ist erst ab einem gewissen Wasserdruck möglich und sehr individuell sowie ausrüstungsabhängig.
- Stromlinienförmig – Eine gestreckte, wasseroptimierte Körperhaltung.
Typische Freediver Begriffe
- Flow – Ein Zustand völliger Ruhe und Kontrolle unter Wasser.
- Relaxen – Bewusstes Loslassen von Spannung vor und während des Tauchens.
- Packing – Auch karpfen genannt, ist eine fortgeschrittene Atemtechnik zur Erweiterung des Lungenvolumens.
- Entspannungsphase – Der erste Teil des Tauchgangs, der ohne Atemreiz ist.
- Struggle Phase – Der zweite Teil des Tauchgangs, nach dem ersten Atemreiz.
Freediving Organisationen & Ausbildung
- AIDA –Der internationale Freediving-Verband (Association Internationale pour le Développement de l’Apnée), der Wettkämpfe organisiert und Regeln sowie Rekorde im Freitauchen festlegt.
- Freediving Ausbildungsorganisationen – Internationale Verbände, die Kurse, Standards und Zertifizierungen im Freitauchen anbieten, wie auch AIDA, SSI Freediving, PADI Freediver, Molchanovs, Total Apnea und Apnea Academy.

